Es war Ferdinand Piech höchstpersönlich, der die Entwicklung bewilligte und nach zahlreichen Tests wurde der neue Audi im März 1980 am Genfer Automobilsalon der Öffentlichkeit vorgestellt und galt durch seinen Antrieb, aber auch durch andere technische Besonderheiten als Sensation. Schnell avancierte der Audi quattro zum Synonym für einen modernen Sportwagen.
Quattro – Das neue Markenzeichen von Audi
Der Karosserie des Audi quattro basierte auf der des Audi Coupé, im Stile der 80er Jahre auf Sport getrimmt: aufgeplusterte Kotflügel, eine tiefe und voluminöse Frontschürze und ein voluminöser Heckflügel aus weichem Kunststoff waren die äußeren Erkennungszeichen. Aus heutiger Sicht würde man das Erscheinungsbild wohlwollend als martialisch bezeichnen. Aber auch heute noch kann man ihm den eigenständigen Charakter nicht absprechen. Mit dem quattro schaffte Audi den Sprung von der „Hut-Träger-Marke“ zur Sportmarke. Nicht zuletzt die Ralley-Erfolge von Michèle Mouton und Walter Röhrl haben dazu beigetragen.
Audi quattro fahren: Die Anfänge von Allrad und Turbo
Der quattro verfügte in der ersten Serie über einen 2,1-Liter 5-Zylinder Reihenbenziner mit Turboaufladung. In späteren Serien wurde der Motor auf 2,2 Liter vergrössert und die Leistung stieg auf 220 PS. Damit war man in 7,1 Sekunden auf 100 km/h und erreichte mehr als 220 km/h. In den frühen 80er Jahren waren das Spitzenwerte. Und das besondere: für die Beschleunigung war es fast unerheblich, ob die Strasse trocken oder nass war. Das Ding zog einfach los und ließ Beifahrer krampfhaft nach dem Haltegriff greifen. Der Sound des 5-Zylinder-Motors tat sein übriges: wer den Audi urquattro einmal gehört hat, erkennt ihn auch 20 Jahre später immer noch. Der Klang war einzigartig und ist es geblieben. Wenn man heute in einen urquattro steigt ist man erst mal enttäuscht. Der Klang ist da – aber das sollen 200 PS sein? Der quattro beschleunigt nicht besser, als jeder halbwegs kräftige Kleinwagen. Bis – ja, bis die Drehmomentnadel in die Nähe der 3.500er-Marke kommt. Dann hat der Turbo den vollen Ladedruck aufgebaut, man spürt erst einen Schlag im Rücken, und dann verengt sich das Blickfeld und der Wagen geht los wie die oft zitierte Katze des Herrn Schmitz. Dazu das sonore Röhren des 5-Zylinders – so was gibt’s heute nicht mehr.
Kurvenfahren im urquattro – Herausforderung und Erlebnis zugleich
Auf trockener Straße und mit dem Fuß auf dem Gaspedal erreicht der urquattro auch heute noch Kurvengeschwindigkeiten, bei denen die Beifahrerin dem Lenker erfreulich nahe kommt. Bei Nässe oder bei rutschigem Untergrund ist deutlich mehr Vorsicht geboten: erst untersteuert der quattro gnadenlos, nur um dann plötzlich mit dem Heck zu zucken. Wer dann nicht aufpasste, konnte schon mal sehen, wo er grade herkam. Da gab es nur eins: auf dem Gas bleiben und links bremsen, den Ladedruck nicht abfallen lassen, die Drehzahl über 3.500 Touren belassen. Dann blieb der quattro schön in der Spur oder rutschte sanft und kontrollierbar über alle vier Räder. So konnte sich jeder mit ein bisschen Übung wie ein veritabler Rally-Fahrer fühlen.
Digitalanzeigen – Armaturen wie im Raumschiff Enterprise

Einen besonderen Gag hatten sich die Audi-Ingenieure zwischenzeitlich für das Armaturenbrett ausgedacht: Digitalanzeigen statt Zeiger. Richtig gut abzulesen waren sie nie, der Drehzahlmesser flackerte wie irre und zu allem Unglück kommentierte eine leicht genervte Frauenstimme auch alle allfälligen technischen Unzulänglichkeiten. Diese Gimmicks hat Audi dann ziemlich schnell wieder zugunsten eines klassischen Armaturenbrettes aufgegeben. Ansonsten gibt es auch heute nicht viel auszusetzen: die Sitzposition ist gut, auch für großgewachsene Fahrer, die Armaturen sind gut im Blick, die Sitze auch nach heutigen Maßstäben noch langstreckentauglich. Über die Anmutung der Materialien sollte man nicht zuviel nachdenken: Hartplastik überall, Türöffner vom VW 411 und Sitzbezüge, die mit viel gutem Willen als „eigenartig“ bezeichnet werden können – später gab´s Leder. Gegen Aufpreis. Nur die neckischen Knöpfe in der Mittelkonsole wecken immer noch Interesse. Mit diesen konnte Mittel- und Hinterdifferenzial gesperrt werden. Und dann gab´s kaum ein Halten. Auch Schneeberge wie sie ein Schneepflug gerne mal auf der Straßenseite liegen läßt, waren nicht wirklich ein Hindernis.
Audi urquattro – langstreckentauglich, aber nur für zwei
Zugelassen war der urquattro als 4-Sitzer. Während vorne die Platzverhältnisse klassenüblich waren und auch heute noch aus durchaus angenehm gelten können, sind die hinteren beiden Plätze höchstens Kindern bis 10 Jahren zuzumuten. Und jünger als drei sollten sie auch nicht sein, denn mit zwei Paketen Windeln ist der Kofferraum bereits gut gefüllt. Wenn man sie denn durch die schmale Kofferraumöffnung gebracht hat… Aber zu zweit konnte man gut lange Strecken schnell hinter sich bringen – ganz im Stile eines GT – nur unterbrochen von zahlreichen Tankstopps. Denn bei forcierter Fahrweise verfeuert der 5-Zylinder schon mal gerne 17 Liter auf 100 km. Zum Thema Langstrecke: nach einer ordentlich langen Fahrt tat man gut daran, den Motor einige Minuten im Leerlauf abkühlen zu lassen. Wenn man das versäumte, waren Spannungsrisse im Lader gar nicht mal so selten.
Der Urquattro – für Audi der Start in ein neues Zeitalter
Der Urquattro war für Audi wohl die Rettung. Mit diesem Modell gelang der Imagewechsel vom biederen Auto zur sportlichen Marke. Quattro ist heute der Inbegriff für Allradantrieb und den Begriff hat sich Audi schützen lassen. Da sind die Ingolstädter eigen, das musste auch Lancia erfahren. Der urquattro ist heute ein Klassiker, wer einen hat, gibt ihn nicht oder nur für sehr viel Geld her. Ich hätte meinen damals auch nicht verkaufen sollen – aber die Damenstimme aus dem Armaturenbrett hat sich permanent zu Wort gemeldet: „Bremssystem defekt“. Und die Reparaturkosten waren immens – insofern hat sich seit den 80er Jahren bei Audi nichts geändert…

