
Der VW Käfer, der Mini und der Fiat 500 waren zu ihrer Zeit echte Volkswagen – in Deutschland, England und Italien waren Millionen mit diesen Fahrzeugen unterwegs – und glücklich damit. Der Käfer kam zu Filmehren (der unglaubliche Käfer), der Mini gewann Rallys und der Fiat – nun ja, der Fiat 500 war eben der Fiat 500.
Vom Käfer zum Beetle
Das Original wurde mehr als 22 Millionen Mal verkauft und war auch Sinnbild für das Wirtschaftswunder. Der Käfer war für Volkswagen Fluch und Segen zugleich – enorm erfolgreich, enorm beliebt, technisch enorm veraltet und es war enorm schwer, den Erfolg zu wiederholen. Mit dem Golf gelang das Volkswagen, aber nein – im Retrotrend der anderen musste auch VW mitschwimmen und brachte den Beetle auf den Markt.
Man muss schon sehr wohlwollend gestimmt sein, um den Beetle der ersten Generation eine gewisse Attrkativität zu bescheinigen – das haben auch die VW Designer bemerkt und den „New Beetle“ entwickelt. Der sieht nun hübscher aus, die Proportionen sind stimmiger – aber irgendwie hat er immer noch nichts mit dem Käfer zu tun. Dazu fehlen ihm einfach ein paar so Käfertypische Elemente: Die Kotflügel, die Motorhaube und die runden Rückleuchten.
Fiat 500 – Cinquecento reloaded
Eigentlich den gleichen Weg ging Fiat: Man nehme das Kultauto 500, style es auf Retro und versehe es mit neuer Technik. Im Gegensatz zum Beetle ist das Experiment hier aber gelungen. Technisch haben die beiden Namensbrüder nichts miteinander zu tun: Heckmotor und –antrieb gegen Frontmotor und – antrieb – und dennoch haben es die Designer geschafft, die wesentlichen Elemente, die Scheinwerfer, die Blinkleuchten, die stumpfe und kurze Frontpartie und die rundliche Heckpartie zu übernehmen. Und haben damit eine echte Knutschkugel geschaffen, die Fiat wohl vor dem definitiven Aus bewahrt hat.
Dass Fiat um den 500-er einen richtigen Kult aufgebaut hat, spricht für die Professionalität der Marketingabteilung: Abarth, Cabriolet, Zierstreifen – alles ist zu haben, und bei allem ist der Bezug zu Original unverkennbar.
Mini – Mini ist nur noch der Name
Der Original-Mini war der Inbegriff eines einfachen Autos, und dennoch revolutionär: An jeder Ecke ein Rad, quer eingebauter Motor vorne, Getriebe direkt unter dem Motor – zwei Türen, fertig. Sir Alec Issigonis zeichnete das Konzept der Legende nach auf eine Papierserviette und begründete damit den Erfolg dieses Autos.
Als BMW ans Ruder kam war der Marketingabteilung wohl sehr schnell klar, was da für ein Schatz in den Archiven schlummerte und sie machten sich flugs daran, eine Neuauflage zu konzipieren – mit durchschlagendem Erfolg. Das Konzept ist das Gleiche geblieben: Ultrakurze Karosserieüberhänge, knackiges Fahrwerk, eine vertraute Silhouette, ein Kühlergrill mit Wiedererkennungswert und ein Zentraltacho – und fertig war das neue Trendauto. Eine wichtige weitere Vorgabe vom Ur-Mini wurden auch gleich mitübernommen: Der Kofferraum ist ein Witz! Dennoch – der Markt hat den neuen Mini schnell aufgenommen – und nur die Vertreter der Ur-Mini-Generation mokieren sich darüber, da unterscheidet sich der Mini aber nicht von den anderen beiden Retro-Modellen.
Dass sich daran eine ganze Armada von Fahrzeugen mit gleichem Namen anschließen musste – bis hin zum unsäglichen Mini Countryman – ist eine andere Geschichte.
