Fritz B. Busch – der legendäre Autojournalist ist tot.

Autojournalist Fritz B. Busch mit Schal

Fritz B. Busch – oder FBB – ist am 5. August 2010 in Baden Württemberg im Alter von 88 Jahren gestorben. Mit ihm verliert die Gilde der Autojournalisten einen der profiliertesten Vertreter. Fritz B. Busch kann als eigentlicher Begründer des Autojournalismus gelten, seine Berichte und Essays stellen die hohe Kunst der automobilen Berichterstattung dar und sind geprägt von einer einer unnachahmlichen Mischung von Begeisterung und kritischer Distanz.

Fritz B. Busch ist und bleibt die Referenz in Sachen Automobil-Journalismus. Er war ein Begeisterter und Getriebener, der bei aller Liebe zum Auto nie die kritische Distanz vermissen ließ und insbesondere gegen die modernen Entwicklungstendenzen immer schwererer und unübersichtlicher Autos eine scharfe Feder führte.

Autos für Männer, die Pfeife rauchen – bis heute ein Meisterwerk

Anfang der 60er-Jahre verfasste Fritz B. Busch einen Text über den Jaguar E-Type, den heute noch jeder halbwegs ernsthafte Autojournalist auswändig rezitieren kann und den sich die jungen Journalisten am besten übers Bett hängen sollten, damit sie nie vergessen, wie Testberichte geschrieben werden sollen.

Autos für Männer, die Pfeife rauchen hieß das Essay das in auto, motor und sport erschien und so gut geschrieben war, dass Henry Nannen vom Stern ihn als Kolumnist engagierte. Bis zuletzt schrieb Fritz B. Busch Kolumnen – zuletzt im Oldtimer-Magazin Motor Klassik.

Ein Auto-Journalist, der ein Auto gebaut hat

Neben seinem lockeren und distanzierten Schreibstil hatte Fritz B. Busch seinen Journalisten-Kollegen nicht nur diese leicht ironische Distanz voraus, sondern vor allem hat er das gemacht, was sonst keiner gemacht hat: Ein Auto gebaut!

Zusammen mit Pio Manzù und Michael Conrad von der Hochschule für Gestaltung entwickelte und baute er den autonova fam. Ein Auto, das seiner Zeit 20 Jahre voraus war und heute als Wegbereiter für die ganzen Multi Purpose Vehicles gelten kann.

Dass sich Fritz B. Busch nicht nur um ein modernes Design kümmerte, zeigen ein paar Besonderheiten des kleinen Familienfahrzeugs: Eine Lenkung, die mit zunehmendem Einschlag immer indirekter wird (kennt man heute als Parameter-Lenkung) und eine Frischluftzufuhr, die über der Windschutzscheibe angebracht war und so nicht gerade die Abgase der Vorderwagens einsaugte.

Autonova von Fritz B. Busch

Das Automuseum von Fritz B. Busch

Im Schluss Waldburg-Wolfegg hatte sich Fritz B. Busch einen weiteren Traum verwirklicht: Ein eigenes Automuseum – mit 200 Exponaten eines der umfassendsten und größten seiner Art – bezeichnenderweise liegt es am Fritz B. Busch-Weg 1. Rund 200 Exponate sind hier zu sehen, jedes einzigartig in seiner Art und in ein – manchmal auch durchaus kitschiges – Ambiente eingebettet.

Fritz B. Busch – der Mann mit Schiebermütze und Pfeife

Nun wird Fritz B. Busch nicht mehr schreiben – keine bissigen Bemerkungen von ihm in Richtung Ingenieure werden mehr zu lesen sein

„Zum Beispiel sollten … wir endlich mal den Designern was um die Ohren hauen. Ich brauch doch zum Beispiel Rundumsicht im Auto. Vor lauter Formengeilheit bauen die mir alles zu.“

Er legte seinen Finger und seinen Fokus immer auf die „weichen“ Faktoren der Autos, das Messen von Beschleunigungswerten und Höchstgeschwindigkeit überließ er gerne anderen. Statt dessen verstand er das Auto als ein Produkt, das dem Menschen dienen sollte und das ihm Spaß machen sollte.

Für viele bleibt Fritz B. Busch genau deshalb der Doyen der Automobiljournalisten. Für mich auch.

abgelegt in Allgemein

geschrieben von std am 09.08.10